HBM ist ein reproduzierbares Prüfmodell – kein realer Mensch im Labor
Das Modell bildet ein definiertes personenähnliches Entladungsereignis elektrisch nach, damit Bauteile reproduzierbar geprüft und verglichen werden können. Es soll nicht jede reale Person, Kleidung, Bewegung oder Arbeitsplatzsituation exakt simulieren.
JS-001 klassifiziert Bauteile auf Device Level
ANSI/ESDA/JEDEC JS-001 beschreibt die HBM-Prüfung für Bauteile und Mikroschaltungen. Das Ergebnis ist eine Empfindlichkeitsklassifizierung für den dokumentierten Produktscope; es ersetzt weder ein betriebliches ESD-Kontrollprogramm noch eine Systemprüfung.
Beim HBM kommt die Entladung von außen in das Bauteil
Der zentrale Unterschied zu CDM ist die Richtung des Ereignisses: Beim HBM wird eine externe Quelle entladen und der Strom fließt über definierte Anschlüsse durch das Bauteil. Beim CDM ist dagegen das Bauteil selbst zuvor geladen.
HBM-Angaben nur mit Produkt- und Revisionsbezug verwenden
Eine HBM-Angabe wird zusammen mit Teilenummer, Revision und gegebenenfalls Hersteller- oder Qualifikationsdokument gelenkt. Pauschale Werte aus einer Bauteilfamilie dürfen nicht ungeprüft auf eine andere Variante übertragen werden.
| Aussage | Ja / Nein | Einordnung |
|---|---|---|
| Bauteil wurde nach definiertem HBM-Verfahren klassifiziert | Ja | sofern Quelle und Scope eindeutig sind |
| reale Personenspannung darf direkt daraus abgeleitet werden | Nein | Testmodell und Feldsituation sind nicht identisch |
| CDM-Robustheit ist damit bekannt | Nein | CDM wird separat klassifiziert |
| Fertigung braucht kein ESD-Kontrollprogramm mehr | Nein | HBM ist eine Eingabe für die Prozesskontrolle |
HBM-Daten in Personen- und Handhabungsrisiken übersetzen
Personenerdung, Arbeitsplatz, Werkzeuge, Produktkontakt und Materialfluss werden aus realem Prozess und Produktdaten abgeleitet. Eine bestimmte HBM-Klasse führt nicht automatisch zu einer einzigen universellen Schutzmaßnahme.
HBM und CDM immer getrennt lesen
Ein Bauteil kann in HBM und CDM sehr unterschiedliche Empfindlichkeit zeigen. Deshalb werden beide Datenmodelle separat erfasst und nicht über einen Umrechnungsfaktor miteinander verbunden.
HBM-Device-Level nicht mit System-Level-ESD verwechseln
Prüfungen an fertigen Geräten, Modulen oder Fahrzeugen verfolgen andere Ziele und verwenden andere Verfahren. Ein Device-Level-HBM-Ergebnis lässt sich deshalb nicht direkt auf die ESD-Festigkeit eines fertigen Systems übertragen.
Praxisfall: HBM-Daten für einen neuen IC
Bei einem neuen IC wird die HBM-Klassifizierung zusammen mit CDM-Daten und Produktrevision erfasst. Danach prüft das ESD-Kontrollprogramm, an welchen Stationen offene Handhabung stattfindet und ob bestehende Personen-, Arbeitsplatz- und Verpackungskontrollen zum neuen Produkt passen.
Praxisvertiefung
HBM-Daten richtig für den Prozess verwenden
Das Human Body Model ist ein Bauteil-Prüfmodell. Es beschreibt nicht direkt die Spannung einer Person am Arbeitsplatz und ersetzt keine Bewertung von CDM oder anderen Ereignispfaden.
Prüfklasse und Prozesskontrolle nicht gleichsetzen
HBM-Daten unterstützen die Empfindlichkeitsbasis des Kontrollprogramms. Die betriebliche Lösung folgt trotzdem dem realen Kontaktpfad, der Personenerdung, den Werkzeugen und der offenen Handhabung.
- Konkrete Teilenummer, Revision und Prüfstandard erfassen
- HBM-Wert nicht mit Wahrnehmungsschwelle vergleichen
- CDM-Daten separat berücksichtigen
- Änderungen der Bauteilrevision erneut bewerten
Häufige Fragen zu HBM
Quellen und weiterführende Dokumente
Quellengeprüft
September 2026
Verwandte Begriffe
Begriff
ESDS
ESDS sind elektrostatisch empfindliche Bauteile, Baugruppen und Geräte. Schutzbedarf aus Empfindlichkeitsdaten, Produktzustand und Entladungsszenarien ableiten.
Begriff
CDM
Das Charged Device Model beschreibt die schnelle Entladung eines zuvor geladenen Bauteils und dient zur standardisierten Klassifizierung seiner CDM-Empfindlichkeit.
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HBM vs. CDM
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Begriff
ESD
ESD bezeichnet die elektrostatische Entladung zwischen Objekten unterschiedlichen Potenzials – eine zentrale Fehlerquelle in der Elektronikfertigung.