ESD-Wissen

Themenwelt Bauteile, Schäden & Fehleranalyse

HBM und CDM im Vergleich

HBM und CDM klassifizieren unterschiedliche ESD-Belastungen auf Bauteilebene. HBM beschreibt eine Entladung aus einer personenähnlichen Quelle in das Bauteil; bei CDM entlädt sich das zuvor geladene Bauteil selbst. Deshalb sind gleiche Spannungswerte nicht gleichbedeutend und HBM-/CDM-Klassen werden getrennt in den Prozessschutz übernommen.

Auch bekannt als: Human Body Model vs Charged Device Model, HBM CDM Unterschied, HBM vs CDM ESD

HBM und CDM beantworten unterschiedliche Fragen

Beide Modelle dienen der reproduzierbaren Device-Level-Klassifizierung, unterscheiden sich aber in Ladungsquelle, Stromverlauf und Prozessbezug.

HBM und CDM im direkten Vergleich
AspektHBMCDM
Ladungsquellepersonenähnliche externe QuelleBauteil selbst
Entladungsrichtungin das Bauteilvom geladenen Bauteil über einen Anschluss
StandardJS-001JS-002
typischer Prozessbezugmanuelle Handhabung / PersonZuführung / Automation / isoliertes Bauteil
ErgebnisHBM-KlassifizierungCDM-Klassifizierung

HBM lenkt den Personen- und Handhabungsblick

HBM ist eng mit Risiken durch geladene Personen oder vergleichbare externe Quellen verknüpft. In der Fertigung bedeutet das jedoch nicht, dass HBM-Daten allein die Wirksamkeit eines Personenerdungssystems beweisen.

CDM lenkt den Blick auf das geladene Bauteil

CDM ist besonders relevant, wenn das Produkt selbst durch Kontakt, Trennung oder elektrische Felder Ladung aufnimmt und anschließend über einen Pin oder Kontakt entlädt.

Spannungswerte und Klassen nicht ineinander umrechnen

HBM und CDM besitzen unterschiedliche Testaufbauten und Wellenformen. Ein Zahlenwert in Volt darf deshalb nicht über einen pauschalen Faktor in das andere Modell oder in eine reale Feldspannung übersetzt werden.

Im Datenblatt Modell, Revision und Produktbezug mitlesen

Eine Empfindlichkeitsangabe ist nur belastbar, wenn klar ist, welches Modell und welche Produktrevision gemeint sind. HBM und CDM werden getrennt in Stücklisten-, Produkt- und Lieferantendaten geführt.

Beide Modelle in unterschiedliche Prozessrisiken übersetzen

HBM-Daten führen den Blick auf Personen, manuelle Handhabung und externe Quellen; CDM-Daten auf Bauteilaufladung, Automation, Trays und schnelle Kontakte. Die konkrete Schutzmaßnahme folgt trotzdem der realen Prozessanalyse.

Device-Level-Prüfung nicht mit System-Level-ESD vermischen

HBM und CDM qualifizieren Bauteile. Prüfungen an fertigen elektronischen Geräten oder Modulen verfolgen eine andere Zielsetzung und verwenden andere Testmodelle. Ergebnisse sind deshalb nicht direkt austauschbar.

Praxisfall: HBM unauffällig, CDM kritischer

Ein Bauteil besitzt für HBM einen weniger kritischen, für CDM jedoch einen strengeren Schutzbedarf. Das Kontrollprogramm verschärft dann nicht pauschal jeden Prozess, sondern untersucht gezielt Zuführung, isolierte Produktzustände, Greifer, Kontakte und Ionisation.

Praxisvertiefung

HBM und CDM prozessbezogen statt numerisch vergleichen

Gleiche Spannungszahlen aus verschiedenen Modellen bedeuten keine gleiche Beanspruchung. Stromform, Quelle, Kapazität, Kontakt und getesteter Ereignispfad unterscheiden sich.

Beide Modelle in der Risikobewertung erhalten

HBM lenkt den Blick auf geladene Personen oder Quellen, CDM auf das geladene Bauteil und schnelle Kontakte. Ein robustes Kontrollprogramm berücksichtigt beide Datenarten, soweit sie für das Produkt verfügbar und relevant sind.

  • Prüfstandard und Modell zum Zahlenwert mitführen
  • Keine direkte Rangfolge nur aus Spannungswerten bilden
  • Manuelle und automatisierte Handhabung getrennt analysieren
  • Prozesskontrollen dem Ereignispfad zuordnen

Häufige Fragen zu HBM vs. CDM

Quellen und weiterführende Dokumente

Quellengeprüft

September 2026

Begriff

HBM

Das Human Body Model ist ein standardisiertes Device-Level-Prüfmodell für eine personenähnliche elektrostatische Entladung in ein Bauteil.

Begriff

CDM

Das Charged Device Model beschreibt die schnelle Entladung eines zuvor geladenen Bauteils und dient zur standardisierten Klassifizierung seiner CDM-Empfindlichkeit.

Ratgeber

HBM-Prüfung von Bauteilen

Zweck, Ablaufprinzip und Aussagegrenzen der HBM-Device-Level-Prüfung nach ANSI/ESDA/JEDEC JS-001 einordnen.

Ratgeber

CDM-Prüfung von Bauteilen

Zweck, Ablaufprinzip und Aussagegrenzen der CDM-Device-Level-Prüfung nach ANSI/ESDA/JEDEC JS-002 einordnen.

Ratgeber

ESD-Empfindlichkeitsdaten im Datenblatt

HBM- und CDM-Daten korrekt lesen: Teilenummer und Revision zuordnen, Lieferantendaten prüfen und ESD-Empfindlichkeit in Risikoanalyse und Fertigung berücksichtigen.

Begriff

ESDS

ESDS sind elektrostatisch empfindliche Bauteile, Baugruppen und Geräte. Schutzbedarf aus Empfindlichkeitsdaten, Produktzustand und Entladungsszenarien ableiten.

Ratgeber

Personenerdung

Personenerdung verhindert, dass sich Ladung auf Mitarbeitern ansammelt und unkontrolliert in empfindliche Bauteile entlädt.

Ratgeber

Automation & Robotik

ESD-Risiken in Robotik, Greifern, Fördertechnik, Werkstückträgern und automatisierten Übergaben unter realem Takt, Störung und Produktwechsel kontrollieren.

Ratgeber

ESD-Risikoanalyse

ESD-Risiken entlang realer Produkt- und Prozesswege bewerten. Schutzpfade mit Evidenz prüfen und Maßnahmen, Verifikation und Änderungen in einer Risikomatrix steuern.

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