Vom Gegenstand zur Kontrollentscheidung
Die Materialfreigabe folgt einer wiederholbaren Entscheidungslogik. Dadurch werden Einzelregeln wie „Handy erlaubt?“ oder „Karton verboten?“ in ein konsistentes System eingeordnet.
- Prüfen, ob der Gegenstand für Prozess oder Tätigkeit überhaupt notwendig ist.
- Position und Abstand zu offenen ESDS beziehungsweise empfindlichen Prozessstellen bestimmen.
- Bewerten, ob Aufladung, Potentialunterschied oder elektrische Feldwirkung relevant werden kann.
- Prüfen, ob Entfernen, Ersetzen, Erden, Abschirmen oder räumliche Trennung möglich ist.
- Bei notwendigen nicht erdbaren Materialien zusätzliche technische Kontrolle wie Ionisation fachlich bewerten.
- Freigabe, Einschränkung oder Verbot nachvollziehbar dokumentieren.
Typische Gegenstände nicht pauschal klassifizieren
Dasselbe Material kann je nach Anwendung unterschiedlich zu bewerten sein.
| Gegenstand | Nicht ausreichend | Bessere Prüffrage |
|---|---|---|
| Papier / Karton | „Papier ist immer verboten“ | Ist es notwendig und wie nah kommt es offenen ESDS? |
| Smartphone | „Elektronik ist automatisch ESD-sicher“ | Wo wird es abgelegt, bewegt oder geladen? |
| Kunststoffbehälter | „Kunststoff ist immer ungeeignet“ | Welche Funktion, Position und Schutzwirkung sind erforderlich? |
| Werkzeug | „Metall ist immer unkritisch“ | Ist der leitfähige Gegenstand auf definiertem Potential? |
| Klebeband / Folie | „kleines Teil, daher irrelevant“ | Kann Kontakt und Trennung produktnah relevante Aufladung erzeugen? |
Notwendige Isolatoren kontrollieren statt ignorieren
Nicht jeder Isolator lässt sich aus einem Prozess entfernen. Notwendige Materialien werden deshalb lokalisiert, in ihrer realen Nutzung bewertet und gegebenenfalls durch Abstand, Prozessführung oder qualifizierte Ionisation kontrolliert.
Praxisfall: Smartphone für digitale Arbeitsanweisung
Ein Smartphone ist für den Prozess erforderlich. Statt eines pauschalen Verbots werden Ablageort, Bewegung, Abstand zum offenen ESDS und das tatsächliche Aufladungs-/Feldrisiko bewertet und als Nutzungsregel dokumentiert.
Häufige Fragen zu Materialien in der EPA
Quellen und weiterführende Dokumente
Fachlich geprüft
September 2026
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